Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet für das Jahr 2026 mit einem weiteren Anstieg der globalen Ölnachfrage. In der neuesten monatlichen Ölmarkt-Prognose geht die IEA davon aus, dass der weltweite Ölverbrauch um etwa 850 000 bis 930 000 Barrel pro Tag (bpd) im Jahresvergleich zulegen wird. Diese Zahl liegt etwas über den früheren Schätzungen, spiegelt jedoch nur ein moderates Nachfragewachstum wider. Zugleich sieht die IEA den Ölmarkt mit deutlichem Preisdruck konfrontiert. Hintergrund ist eine erwartete Versorgungsausweitung, die das Nachfragewachstum klar übersteigen dürfte und damit ein strukturelles Überangebot entstehen lässt. Maßgeblich dafür sind Produktionssteigerungen außerhalb der OPEC+, insbesondere in den USA, Brasilien, Kanada und Guyana. Diese Länder weiten ihre Förderung weiter aus und kompensieren damit nicht nur frühere Kürzungen, sondern sorgen für zusätzliche Mengen am Markt. Hinzu kommt, dass auch innerhalb der OPEC+ ein schrittweises Zurückfahren freiwilliger Förderkürzungen erwartet wird. Viele Produzenten verfügen über freie Kapazitäten und haben ein Interesse daran, Marktanteile zu sichern. In der Summe führt dies laut IEA dazu, dass das globale Ölangebot 2026 schneller wächst als die Nachfrage.
Die Folge dürfte ein erneuter Aufbau von Lagerbeständen sein – ein klassisches Signal für ein Überangebot. Steigende Vorräte verschärfen den Wettbewerb unter den Produzenten und wirken in der Regel dämpfend auf die Rohölpreise. Damit bleibt Öl trotz wachsender Nachfrage unter strukturellem Preisdruck.
Kurzfristig können geopolitische Risiken, etwa Spannungen im Nahen Osten oder neue Sanktionsmaßnahmen, zwar für temporäre Preisaufschläge sorgen. Aus Sicht der IEA ändern solche Faktoren jedoch nichts an der grundsätzlichen Marktlage: Solange das Angebot deutlich schneller steigt als der Verbrauch, bleibt das Abwärtsrisiko für die Ölpreise im Jahr 2026 erhöht.